Logo du site

Accueil du site > Deutsch > Der Cercle von Caseneuve > Geschichtliches

Geschichtliches

von Jacques Godefroy

Toutes les versions de cet article : [Deutsch] [français]

JPEG - 68.3 ko

Der Cercle (Kreis,Gesellschaft) oder chambrée (Stube), chambrette (Kämmerlein) ist im 19.Jahrhundert das amtliche Wiederauflebenlassen einer mediterranen Einrichtung, die die Männer vereinte. Die Frauen trafen sich im Waschhaus.Der hiesige Cercle, der am 28.10.1876 durch Erlass des Präfekten geschaffen wurde, heißt Cercle de l’union. In anderen Dörfern heißen sie Cercle des bleus oder Cercle des rouges. Überall sind politische oder religiöse Diskussionen verboten. Die Mitglieder wurden gewählt und wer sich als schlechter Kamerad erwies konnte ausgeschlossen werden. Das Fernsehen und dessen Auswirkungen auf das Familienleben ließen das gesellschaftliche Leben in den Cercles einschlafen.

Geschichte der Örtlichkeit.

Nach der Revolution von 1789 wurde das Schloss, das dem Prinzen von Condé gehörte, als nationales Eigentum im Jahre 1791 versteigert. Es ist in mehrere Lots aufgeteilt worden. Das vierte, das als geräumiger Keller bezeichnet wird, wurde einem Fremden, nämlich aus Gordes, zugeteilt. Dieser nahm den Raum jedoch nicht im Besitz und zahlte auch nicht. 1827 nahm die Bruderschaft der weißen Büßer diesen leeren, herrenlosen Keller in Besitz, um daraus ihre Kapelle zu machen. Sie gaben 850 frs aus, um eine Tür zu öffnen, Fenster zu brechen und den Boden zu ebnen und zu fliesen. Die Wände wurden weiß gestrichen und so alles in einen anständigen Zustand versetzt. Auch beteiligten sie sich mit 300 frs an der Instandsetzung des Daches. Unstimmigkeiten in der Bruderschaft führten im Jahre 1841 zu deren Zerfall. Daraufhin eigneten sich zwei Einwohner des Dorfes den Raum und seine Schlüssel an. Ende 1841 schrieb Herr Gay, Pfarrer von Caseneuve an den Herzog D’AUMALE, Erbe des Prinzen von Condéeinen Brief mit der Bitte, diese Kapelle der Kirche zu schenken. Die Verwalter des Herzogs antworten, dass sie keinen Hinweis auf Besitzansprüche des Herzogs haben ; da er noch minderjährig sei, könnte er aber sowieso erst in einem Jahr, nach Erlangung der Volljährigkeit, eine Schenkung machen. Pfarrer Gay wird versetzt, sein Nachfolger weiß nichts von dieser Geschichte. Im Jahre 1846 schreiben vier Besitzer anderer Räume des Schlosses, darunter die zwei, die sich de Schlüssel bemächtigt hatten, nämlich die Herren BLANC, LAMBERT, MICHEL und PELLENC an den Herzog von AUMALE. Sie fordern, da sie Not leidend wären, die Summe von 1200 frs als seinen Anteil an der Dachrenovierung oder aber die Schenkung des Raumes. Der Herzog fragt bei der Subpräfektur an, ob die Kapelle für die Kirche brauchbar sei. Da das verneint wird schenkt er mit Schreiben vom 6.10.1846 den Raum den Herren BLANC, LAMBERT, MICHEL und PELLENC. Im Jahre 1849 ersteht die Bruderschaft wieder. 1852 schreibt der Pfarrer an die Eigentümer wegen einer Rückübereignung der Kapelle an die neue Bruderschaft, die einen Treffpunkt zum Kleiderwechsel bräuchten, da es im Presbyterium zu eng sei. 1853 bittet die Bruderschaft den Bischof von Avignon um Intervention, aber all dies ist vergebens. 1863 stirbt Polycarpe MICHEL. Seine Tochter Pauline, Ehefrau von Jean-Baptiste PEYSSON, erbt seinen Teil des Kellers. Am 3.6.1872 kauft ihr Mann für 475 frs den Anteil von Joseph Marie BLANC. Er kauft auch den Anteil von Etienne PEYSSON, der ihn sicherlich mit unbakanntem Datum von LAMBERTund PELLENC erworben hatte. So wurde er alleinige Besitzer des Raumes. Am 28.6.1876 veröffentlicht der Präfekt des Vaucluse einen Erlass, der die Errichtung des Cercle erlaubt. Das Reglement ist von einem gewissenTamisier unterzeichnet und datiert vom 20.12.1876. Am 27.5.1885 verkauft das Ehepaar Jean-Baptiste PEYSSON vor Notar AYMARD in APT den gesammten Raum an den CERCLE DE L’UNION für den Preis von 1000 frs, zahlbar in 5 Jahren. Und so ist der Cercle Dank dieser Entwicklung immer noch Eigentümer dieses schönen Saales, der nach Renovierung eine Art Mehrzweckraum für die Gemeinde wurde.

Die Statuten des CERCLE DE L’UNION

1.Art Die Zahl de Mitglieder des Cercle ist auf 150 beschränkt. Er wird von einem Rat geführt, der gewählt wird mit der absoluten Mehrheit der Stimmen mindestens eines Viertels der Mitglieder der Cercles ; in einem zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Der Rat hat das Recht, einen Vorstand einzusetzen. Der Rat wird jährlich neu gewählt, Wiederwahl ist möglich. 2.Art Jeder, der dem Cercle beitreten möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein ; Söhne von Mitgliedern werden jedoch schon mit 18 Jahren zugelassen. Man muss im Besitz de bürgerlichen Ehrenrechte sein und von 2 Mitgliedern vorgeschlagen werden. Danach wird auf Veranlassung des Rates der Name des Betreffenden an deutlich sichtbarer Stelle des Vereinsraumes acht Tage lang ausgehängt. Am folgenden Sonntag erfolgt zwischen elf und vier Uhr die Abstimmung über den Antrag. Für eine Aufnahme müssen die Hälfte plus eine Stimme, entsprechend einem Viertel der Zahl der Sekretäre, dafür sein. Im zweiten Wahlgang reicht die relative Mehrheit. Die gewählte Person zahlt beim Eintritt einen Beitrag, der durch den Rat festgelegt wird. 3.Art Die Mitglieder des Cercle, die ausgeschlossen wurden und erneut wieder eintreten möchten, sind den Bestimmungen des Artikels 2 unterworfen. 4.Art Der Service im Cercle wird von einem Diener verrichtet, dem der Rat, wenn er es für nötig hält, Hilfskräfte zuordnen kann ; dieser Service muss ordentlich ausgeführt werden und wird am Ende jeder Woche bezahlt. Der Diener sollte alle sechs Monate ausgewechselt werden, kann aber im Einzelfall länger bleiben. Derjenige, der Einrichtung und Utensilien unsauber hinterlässt und dessen Dienst zu wünschen lässt kann mit einer Strafzahlung belegt werden, die durch den Rat festgelegt wird und sich in der Höhe an der Schwere des Falles orientiert. Des Weiteren ist der Diener verantwortlich für Gelder und Waren, die ihm anvertraut wurden. Er muss sich damit auskennen und am Ende jeder Woche darüber Rechenschaft abgelegen. 5.Art Er wird von jedem Mitglied bezahlt für den Service und das Holz zum Heizen. Der jährliche Betrag wird durch den Rat festgelegt. 6.Art Jede Schuld gegenüber dem Cercle muss innerhalb von zwei Wochen nach Ablauf der Woche, in der die Schuld entstand, beglichen werden, sonst wird der Betrag verdoppelt, solange er nicht 0,25 frs übersteigt. Für Schulden zwischen 0,5 frs und 2 frs gilt eine Strafe von 0,25 frs, die verdoppelt werden kann wenn die Schuld höher ist. Wenn ein Schuldner Strafzahlung und Schulden nicht begleicht kann der Rat eine höhere Strafe festsetzen und sogar, wenn nötig den Ausschluss aus dem Cerle bewirken. 7.Art Es ist ausdrücklich verboten, in den Räumen des Cercle Lärm zu machen. Zuwiderhandlungen werden mit einer Strafe von 0,25 frs belegt, die im Einzelfall auch höher ausfallen kann. 8.Art Jede Mitglied, das den Cercle verlässt – aus welchem Grund auch immer – hat keinen Anspruch auf das Guthaben des Cercle. Wer ohne legitimen Grund eine Beitragszahlung verweigert wird ausgeschlossen. Wer jedoch wegzieht, kann seine Beiträge entnehmen ; wenn er sie belässt, behält er das Recht, den Cercle weiterhin zu betreten. 9.Art Glückspiele und « Jeux de la Mourre » (ein Knobelspiel, bei der 2 Spieler sich gleichzeitig Finger zeigen und raten, wie viele Finger beide zusammen zeigen) sind ausdrücklich verboten, ebenso politische und religiöse Diskussionen. Zuwiderhandlungen können vom Rat mit einer Strafe belegt und sogar je nach Schwere des Falles mit Ausschluss werden 10.Art Einwohner der Gemeinde, die nicht dem Cercle angehören, dürfen die Räume nur betreten, wenn sie mit einem Mitglied etwas zu tun haben. Den Mitgliedern ist es aber unter de Androhung einer Strafe von 0,25 frs verboten mit ihnen Karten zu spielen. Die Zahl der Fremden darf nie mehr sein als ein Viertel der Mitglieder. 11.Art Wer dem Cercle auch nur das Geringste stiehlt wird ausgeschlossen. 12.Art Der Rat des Cercle kann weitere Statuten erlassen für Fälle, die in den obigen Artikeln nicht erfasst werden. Beglaubigt durch die Sekretäre Der Präsident L. TAMISIER Gelesen und beglaubigt Avignon den 200.12.1876 für den Präfekten Generalsekretär BONNETt


Der Cercle de l’union folgte bis jetzt den Statuten von 1876. Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sah man noch mehrmals in der Woche vier bis fünf Tische mit aktiven Kartenspielern. Anfang der neunziger Jahre wurde es schwer auch nur drei Mitspieler zu finden.

Welches war das beliebteste Spiel im Cercle, wenn es wenigsten sechs Spieler gab : die Sisette. Karten : 1 Spiel mit 32 Karten plus die Sechser. Reihenfolge der Karten : König, Dame Bube, As, 10,9,8,7,6 Zahl der Spieler : 6 in zwei Gruppen zu 3 Kartenverteilung und Spiel : Der Geber verteilt 6 Karten pro Spieler (zwei mal drei). Die letzte Karte wird gezeigt und damit der Trumpf bestimmt. Die Kartenverteilung erfolgt gegen den Uhrzeigersinn. Der Spieler rechts vom Geber hat das Ausspiel. Man ist nicht verpflichtet, eine höhere Karte zu legen oder zu trumpfen. Es wird gespielt bis 10 Punkte zusammen gekommen sind. Die Mannschaft, die zuerst drei Stiche bekommen hat erhält 1einen Punkt, nach sechs Stichen zwei Punkte. Wenn ein und derselbe Spieler die sechs Stiche macht, erhält seine Mannschaft sechs Punkte. Bei diesem Spiel wird viel geredet, denn die Mannschaft gibt dem Spieler, der dran ist, Hinweise. Die ganze Kunst des Spieles liegt in diesen Dialogen, die erlauben, alles zu sagen, das Spiel zu führen und das Vergnügen zu verlängern. Wichtig ist, dass die Partner alles und die Gegner nichts erfahren. Im Übrigen wurde provencalisch gesprochen : Pagnol ließ grüßen.

Die Mitglieder sind einer nach dem anderen verschwunden … die jungen und die neuen Einwohner kamen nicht mehr. Das Fernsehen hielt jeden bei sich zu Hause ; es hat den Cercle getötet, ebenso wie es die gemeinsam verbrachten Winterabende verschwinden ließ. Seit 2009 hat sich eine neue Mannschaft gebildet, die unseren Cercle wiederaufleben lassen möchte. Die Statuten haben sich auch nach Meinung der Verwaltung überlebt ; jetzt ist der Cercle ein Verein nach dem Gesetz von 1901, wie jeder andere Verein auch. Hoffen wir, dass dieser ehrwürdige Verein überleben und gedeihen kann.

Bibliographie : Chambrettes des provençaux Aut : L. A. ROUBIN Edit : Plon 1970

Zurück zum Cercle von Caseneuve

SPIP 2.1.30 [23453] | Squelette BeeSpip v.3.0 [1116]